Binger Schifferverein 1895 e.V.
Schiffer- und Lotsenmuseum

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Als die Rheinlotsen noch jede Stelle kannten

Was Lotsen betrifft, ist Ulrich Kunkel familiär vorgeprägt. Der Cousin seines Vaters „Heini“ war Lotse. „Durch ihn bin ich als Kind schon immer am Rhein und bei den Lotsen gewesen“, erinnert er sich, wie an die Fahrten im Lotsenversetzboot wo er mitfahren durfte. Mit 18 fuhr er dann den Lotsenbus, der die Lotsen aus Sankt Goar zurück nach Bingen brachte. Denn je schneller sie zurückkamen, desto eher konnten sie eine neue Fahrt übernehmen.

Danach „ging er aufs Wasser“: zunächst als Pioniertaucher, dann aus Gesundheitsgründen als Bootskommandant (Schiffsführer) bei den Wiesbadener Flusspionieren. Sein Kamerad war Ferdinand Engelhart, der später auch sein Vorgänger im Binger Schifferverein und Inspirator des Lotsenmuseums war. Längst sind diese Zeiten vergangen. 

Untiefen, Riffe, Felsen und Gründe waren gesprengt und abgetragen, die Fahrrinne war mit Tonnen versehen, der Rechtsverkehr auf dem Rhein eingeführt. Lotsen wurden „im Gebirge“ nicht mehr gebraucht, nur noch bei extremstem Niedrigwasser. 

Nach seiner Bundeswehr-Zeit orientierte sich Kunkel beruflich neu, das Interesse am Rhein blieb.

 „Lotsen konnten  jedes Schiff fahren, sie kannten jeden Stein und jeden Felsen mit Namen.“ 82 Gefahrenstellen sind es insgesamt. Von den Bingern, die diese wichtige Aufgabe wahrnahmen, leben noch drei: Kurt Hartmann, Albert Bertuzzo und Fritz Neureuther.

Seit zwei Jahren ist Ulrich Kunkel inzwischen Vorsitzender des Binger Schiffervereins 1895 e.V. Das Lotsenmuseums ist zusammen mit dem alten Kran das kleinste der vier Binger Museen, die sich mit dem Rhein beschäftigen, daneben gibt es noch das Stellwerk im Park am Mäuseturm und die Abteilung Rheinromantik im Museum am Strom. Es ist auch nicht das kleinste Lotsenmuseums: ein dänisches Museum ist weniger als halb so groß. Aber womit sich das Binger Museum auszeichnet, ist die große Anzahl der aktiven „Diensttuenden“, die aus ihrer Erfahrung den Rhein erklären.

Sie wissen, dass der Rhein auf dem kurzen Stück zwischen Nahemündung und Assmanshausen um drei Meter fällt. Dass früher viel mehr Verkehr auf dem Rhein herrschte, die Schiffe aber wesentlich kleiner waren als heute. Dass wegen des Nachtfahrverbots nur von 30 Minuten vor Sonnenaufgang bis 30 Minuten vor Sonnenuntergang gelotst wurde. Lotsen waren  selbstständig, wenn auch genossenschaftlich organisiert um die Lotsenversetzboote, den Bus und die Orderstation im Lotsenhaus zu betreiben. Dort waltete Betty Brilmayer, nahm am Telefon und per Fernschreiber Bestellungen auf, beobachtete ankommende Schiffe ob sie die Lotsenflagge gesetzt hatten. Auch ihr, der wichtigsten Frau - Spieß genannt - unter den Männern, gedenkt das Lotsenmuseum.

Link zum kompletten Artikel in der Allgemeinen Zeitung hier

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