Binger Schifferverein 1895 e.V.
Schiffer- und Lotsenmuseum

Geschichte » Schifffahrt

Flößerei auf dem Rhein

Bereits um das Jahr 50 v. Chr. wurde erwähnt, dass Güter und Personen auf Flößen transportiert wurden. So berichtete z. B. Caesar, dass die Sugambrer den Rhein mit Flößen überquert hätten. Die Blütenzeit der Flösserei auf dem Rhein begann im 17. Jahrhundert. 

Der Hauptabnehmer von Floßholz war Holland. Gerade in den Niederlanden war der Bedarf an Stammholz für die Wasserbauvorhaben, den Städtebau und vor allem dem Schiffbau enorm groß. Deutschland lieferte "Holländertannen", aber auch die Eiche war für den Schiffsbau sehr wichtig. Die "Holländerfloße" hatten eine Länge bis über 500 m und eine Breite von über 70 m und bis zu 2,40 m Tiefgang bei bis zu fünf Lagen Holzstämme. Diese "Ungestümer" bestanden aus einem Steifstück und mehreren flexibel verbundenen Kniestücken. Sie wurden aus kleineren Flößen zusammengebunden und gegebenenfalls auch wieder aufgeteilt. Zur Fahrt waren bis zu 500 Mann erforderlich, die auf dem Floß in Hütten wohnten und beköstigt wurden. Auf der bis zu 20.000 Quadratmeter großen Oberfläche standen Mannschaftsunterkünfte, Küchengebäude und Ställe. Ein Holländerfloß hatte am hinteren Ende 16 – 20 Streichen (Ruderblätter) und am vorderen Ende noch einmal bis zu 22 Streichen; für die Streichen waren allein 250 - 300 Leute erforderlich.

Das Binger Riff bzw. Binger Loch war ein entscheidendes Hindernis. Bei Niedrigwasser mußten die Flöße warten. Bei genügendem Wasserstand ging es quer über das Riff, die Flößer vorne standen bis zur Hüfte im Wasser wenn das Floß über das Riff hinwegschoß und ins Wasser eintauchte. Eigene lokale Floß-Lotsen begleiteten die Flöße durch das "Gebirge".

In den Niederlanden angekommen und nach Verkauf des Holzes wurde die gesamte wieder verwendbare Ausrüstung - Werkzeug, Gerät, Ankernachen etc. – wurde mit der am Floß vertäuten Floßjacht, einem großen Frachtsegelschiff, zu den Floßbauplätzen zurück transportiert. Rheinaufwärts wurden diese Schiffe weitgehend getreidelt, d.h. sie wurden von extra angelegten Treidelpfaden aus von Pferden gezogen. Wo Treidelpfade nicht existierten, musste gestakt werden. Segel konnten das Treideln bzw. Staken unterstützen. Die Flößer waren bei ihrer Arbeit hohen Unfallrisiken ausgesetzt. Nach Erreichen des Zielortes machten sich die Flößer zu Fuß auf den Heimweg, um sich bei der nächsten Floßfahrt wieder dabei zu sein.

Ab etwa 1860 wurden kleine Dampfschlepper zur besseren Kurshaltung der Flöße eingesetzt. Die geschleppten Flöße ( max. Abmessungen L: 220 m B: 63 m ab 1955 B: 47 m) bestanden aus einem Stück und benötigten nur noch eine Besatzung von etwa 25 Mann.

Von Mainz aus starteten

  • 1885 - 1 032 Flöße
  • 1900 noch 700 (d. h. etwa 2 x am Tag),
  • 1950 noch 53 (etwa 1x pro Woche),
  • 1959 noch 14 (etwa 1x im Monat),
  • 1964 noch 2 (etwa 1x im halben Jahr) geschleppte Flöße.
  • Das letzte gewerbliche Floß befuhr im Jahre 1968 den Rhein.

Die Hauptlieferanten von Floßholz kamen aus dem süddeutschen Raum. Der Schwarzwald und Spessart standen an erster Stelle. Über die Nebenflüsse kam das Floßholz in kleinen Gebinden zum Rhein, wo diese zu Großflößen zusammengestellt wurden. An diesen Zusammenstellung waren auch Kamper Flösser betei­ligt. In Camp (jetzt Kamp-Bornhofen) gab es über einen längeren Zeitraum hin Firmen, die den Transport und den Verkauf des Floßholzes in eigener Regie durchführten. Die Firmen beschäftigten dann auch ihre Floßmeister, diese heuerten wiederum die erforderliche Floßmannschaft an. 1900 lebten in Camp über 100 Familien von der Flößerei. In eisigen Wintern ruhte die Flösserei.

So wurde folgende Warnung des Pfarrers Dr. Rentz an junge Frauen überliefert:

"Heirate keinen Flößer, da hast du deine liebe Not,
 im Sommer keinen Mann und im Winter kein Brot"

Aber die Flößer haben ihren eigenen Stolz. Bei ihnen heißt es "Die Schiffe sind aus Holz - aber die Flößer aus Eisen!"

Weitere Information:

Bildergalerie  (klicken zum Vergrößern)