Binger Schifferverein 1895 e.V.
Schiffer- und Lotsenmuseum

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Mäuseturm

Der Turm entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Wachturm der Kurmainzer Zollburg Ehrenfels (am rechten Rheinufer). Die erstmals 1516 überlieferte, sagenumwobene Bezeichnung Mäuseturm leitet sich von der Funktion als Wachturm ab (mittelhochdeutsch „mûsen“ = lauern). Der Legende nach wurde der Mäuseturm – oder ein Vorgängerbau - jedoch bereits im 10. Jahrhundert durch den Mainzer Erzbischof Hatto II. errichtet. Nach einer grausamen Mordtat habe der Bischof auf den Turm flüchten müssen, wo er von Mäusen aufgefressen worden sei, hieß es. 1856-1858 kam es zum Wiederaufbau der mittelalterlichen Turmruine, an dem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. persönlich beteiligt war und für den der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner die Ausführungsplanung übernahm. Schmuckvoll erhebt sich seither auf einer Felsklippe im Rhein der romantische Bau mit Treppenturm, Eckwarten und Zinnenkranz in neugotischen Formen. Neben der Funktion als Signalturm am Binger Loch, diente der kleine Bau auch als markante Grenzmarke der preußischen Rheinprovinz.

Mäuseturm ist ein praktisches Wort. Man sieht darin was man sehen möchte. Es gibt Wesen die sich für Realisten halten und die nur trocken sind, sie verjagen jede Poesie aus allem und die sind wie jener Realist der zur Nachtigal sagte "Schweig, dummes Wesen". Solche Leute behaupten daß Mäuseturm vom Wort "Maut", also Zoll, käme. Sie erklären, daß man im 10. Jahrhundert, bevor der Fluß verbreitert wurde, man den Rhein nur auf der linken Seite befahren konnte und das die Stadt Bingen den Booten einen Rheinzoll auferlegte. Sie stützen sich auf die Tatsache daß es bei Straßburg zwei ähnliche Türme gibt die auch Zoll erheben und Mäusetürme heißen. Für diese großen Denker denen die Sagen fernstehen ist der Turm eine Belastung und Hatto ein Zöllner. (Victor Hugo: Brief XX: Der Rhein)


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